Christian Kurz: Senior Vice President von VIACOM – Hedi Grager

Christian Kurz  ist Senior Vice President von VIACOM International Media Networks (VIMN) in New York, wo ich ihn besuchte. Begeistert sehe ich aus den hohen Fenstern seines Büros hinunter auf den quirligen Times Square.

Hedi Grager Blog:

Christian Kurz is Senior Vice President, Research & Insights at Viacom International and specializes in understanding media audiences (Foto beigestellt)
Christian Kurz is Senior Vice President, Research & Insights at Viacom International and specializes in understanding media audiences (Foto beigestellt)

Christian Kurz ist im oberösterreichischen Vöcklabruck geboren und aufgewachsen. Er studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien, war zwischendurch ein Jahr an der Uni in London und begann dann beim ORF im Bereich Markt- und Medienforschung zu arbeiten. Der TV markt in Österreich mit damals nur 3 Fernsehsendern langweilte ihn aber eher. So ging Christian wieder nach London, wo er nach interessanten Tätigkeiten bei einer Consultingfirma und einer Medienagentur für Warner Bros. arbeitete. Nebenbei begann er an der Birckbeck University zu unterrichten und verbrachte insgesamt 15 Jahre in London.

Christian Kurz (rechts) in einer der vielen Talk-Runden, an denen er teilnimmt (Foto beigestellt)
Christian Kurz (rechts) in einer der vielen Talk-Runden, an denen er teilnimmt (Foto beigestellt)

Für Warner Bros., Disney und dann Discovery Channels machte Christian die Markt- und Medienforschung für Europa. „Interessant war die Evolution der drei Firmen“, erinnert er sich. „Bei Warners war mehr Programmverkauf, wie bei ORF Enterprises. Disney Channel und Discovery Channels waren reine Sender und ihr Fokus auf Osteuropa und Afrika gerichtet, was wieder meine europäische Perspektive erweitert hat.“

Dann wechselte er von Discovery Channels zum amerikanischen Medienkonzern VIACOM – und damit kam auch der ‚move‘ nach New York. Das war vor etwa 5 Jahren.

Christian Kurz auaf einert seiner Reisen, hier in Asien zu einem Vortrag (Foto beigestellt)
Christian Kurz auaf einert seiner Reisen, hier in Asien zu einem Vortrag (Foto beigestellt)

Daten und Analyse, Consumer Insights und Strategie
„Ich bin heute zuständig für alle unsere Marken, für alle unsere Sender wie Nickelodeon, MTV, Comedy Central, VIVA, Channel 5 in UK usw., unsere Webseiten, Apps, Vergnügungsparks und Consumer Products.“ Ich meine, dass das nach sehr viel Arbeit klinge, worauf er lächelnd meint: „Ich mache das natürlich nicht alleine.“

Christians Kernaufgaben gliedern sich in drei Hauptbereiche. Dies sind Daten und Analyse, dabei geht es um Einschaltquoten und Downloads. Bei Consumer Insights gilt es herauszufinden, was die Leute alles so tun in ihrem Leben. „Erkennen, was machen Menschen gegen ihre Langeweile, wie sieht die Familie von heute aus und wie sieht sie aus, wenn sie Eltern werden, was machen sie dann anders etc. Das machen wir hauptsächlich, um zu wissen, was unsere Zielgruppen bewegt, um dann unsere Programme darauf abzustimmen. Wir investieren auch viel in Forschung.“

Christians Kernaufgaben gliedern sich in drei Hauptbereiche: Daten und Analyse, Consumer Insights, Strategie - und natürlich auch um Kosten (Foto beigestellt)
Christians Kernaufgaben gliedern sich in drei Hauptbereiche: Daten und Analyse, Consumer Insights, Strategie – und natürlich auch um Kosten (Foto beigestellt)

Und es geht um Strategie, um Content Tests, neue Websites, neue Apps, Userfreundlichkeit usw. – und dabei natürlich auch um Kosten.

Christian erzählt weiter: „Eine interessante Seite im Analytikbereich ist momentan Keyword and BigData. Hier geht es hauptsächlich darum, was Fernsehen von heute bedeutet und wie wir das messen können. Teletest misst ja nur einen Teil, wenn Leute sich am iPad etwas anschauen, wird das nicht gemessen. Darauf verwenden wir momentan sehr viel Zeit. Das ist sehr interessant, für mich genial. Ich würde nichts anderes machen wollen“, kommt er richtig ins Schwärmen, während ich ihm mit etwas großen Augen und Ohren zuhöre.

Humorvoll spricht Christian weiter: „Eine interviewfrage, die ich Bewerbern stelle, ist: Sind Sie ein Meinungsforscher oder ein Fernsehmensch – und es gibt keine richtige Antwort auf die Frage. Für mich selber ist die Frage einfach zu beantworten. Wenn ich nicht Marktforschung machen würde, würde ich etwas anderes im Fernsehen machen.“

"Fernsehen ist mein Leben", sagt der sympathische und erfolgreiche Österreicher Christian Kurz (Foto beigestellt)
„Fernsehen ist mein Leben“, sagt der sympathische und erfolgreiche Österreicher Christian Kurz (Foto beigestellt)

Fernsehen ist sein Leben
Christian war gerade mal 7 Jahre alt, als er sich schon fürs Fernsehen interessierte. „Ich sah einen Sender im Kabelfernsehen und es interessierte mich, wie die den Übergang vom Programm zur Werbung machen. Ich habe dann viel Zeit vor dem Fernseher verbracht und habe in meinem Wohnzimmer eine eigene Radiostation aufgebaut. Ich habe ja kurz in einer Medienagentur gearbeitet, aber Print und Außenwerbung waren langweilig für mich. Elektronik, Radio, Fernsehen und digitale Medien, das ist es für mich“, begeistert er sich.

Ich möchte von Christian wissen, welche für ihn die spannendsten oder wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre waren. „Sowohl als auch, die consumer behavior. Die Art, wie Menschen Medien konsumieren, wie sie zu Informationen kommen, hat sich drastisch verändert, man sieht es stark an den Generationen. Social Media, YouTube, Generationenunterschiede, Lebensstadien sind dazu einige Stichworte – es wird sich noch einiges ändern. Die Erwartung heute ist, dass ich alles was ich sehen will, jederzeit und überall sehen kann. Die Industrie muss dafür sorgen, dass dies möglich ist.“ Christian und ich sind uns einig, dass wir Kinder, die intuitiv alles erlernen, beneiden. „Das ist das Schöne an meinem Job, dass ich Kindern zusehen kann, wie sie damit spielerisch umgehen, z.B. mit Noggin: Das ist eine in den USA gelaunchte App für Vorschulfernsehen, ohne Text und ohne Beschreibung.“

Christian Kurz auf der EuroSummit'15 (Foto beigestellt)
Christian Kurz auf der EuroSummit’15 (Foto beigestellt)

Auch in naher Zukunft wird es in diese Richtung weitergehen, meint Christian, denn einer überwältigenden Mehrheit ist es einfach wichtig, alles zu jeder Zeit sehen zu können, nicht mehr zu einem bestimmten Zeitpunkt wo sein müssen, um etwas anzusehen. „Das lineare Fernsehen hat nach wie vor Vorteile. Nachrichten, große Events, große Konzerte oder Reality Shows will ich sofort sehen – sonst kann ich ja morgen nicht mit meinen Freunden darüber reden.“ Wir lachen. „Aber unabhängig davon wird es viel mehr in die ‚on Demand‘-Welt reingehen. Suche ich in Zukunft den ORF oder suche ich die Zeit im Bild oder suche ich Nachrichten. Drei völlig andere Ansätze und da wissen wir die Wege noch nicht“, meint Christian und ich merke immer wieder, wieviel Spaß ihm seine evolutionäre Arbeit macht.

Christian Kurz (3)

Rund um Werbung
Auch das Thema Werbung bleibt interessant. „Wenn eine Werbung kreativ ist, drücken die Zuseher auch nicht auf fast forward. Und wenn man die fast forward Taste drückt, muss man sehr aufmerksam hinsehen, um nichts zu versäumen.“ Das bedeutet für jede Firma die große Herausforderung, kreative Werbung zu machen, meine ich und Christian erläutert weiter: „Das Problem sind die riesigen Datenmengen. Herauszufinden, wer sich meinen Spot angesehen hat, kann man noch nicht. Da gibt es sehr viel Entwicklungspotential – und wir sind dabei, uns das anzusehen.“

Dazu kommt natürlich ein unterschiedliches Verhalten zwischen den Ländern, das teilweise von den kulturellen Umständen geprägt ist. „Aber auch innerhalb Europas. In England z.B. sitzt man um 6 Uhr beim Fernsehen und sieht Seifenoper, in Spanien vor 10 Uhr abends gar nicht. Österreicher und Deutsche sehen um 20.15 Uhr nach den Nachrichten.“

Ich hatte Glück, Christian Kurz in New York zu treffen, denn er reist sehr viel. "Mein Headquarter Team sitzt zwischen NYC und London. Und dann haben wir zusätzlich noch die Regionen London, Madrid, Berlin, Amsterdam, Singapur, Mumbai und Miami, wo ich auch immer wieder hin muss.“ (Foto Nadine Marie Wohlmuth)
Ich hatte Glück, Christian Kurz in New York zu treffen, denn er reist sehr viel. „Mein Headquarter Team sitzt zwischen NYC und London. Und dann haben wir zusätzlich noch die Regionen London, Madrid, Berlin, Amsterdam, Singapur, Mumbai und Miami, wo ich auch immer wieder hin muss.“ (Foto Nadine Marie Wohlmuth)

Christian ist sehr viel unterwegs – zuviel momentan, wie er meint. „Ich habe zu zuvielen Dingen ja gesagt“, lacht er. „Aber es ist alles so spannend.“ Da hatte ich ja Glück ihn überhaupt zu treffen. „Meine Reisen fallen in drei Kategorien: wenn wir wirklich interessante Projekte haben, fahre ich dorthin. Für interne Managementthemen reise ich viel, mein Headquarter Team sitzt zwischen NYC und London. Und dann haben wir zusätzlich noch die Regionen London, Madrid, Berlin, Amsterdam, Singapur, Mumbai und Miami, wo ich auch immer wieder hin muss.“

Zeit zum relaxen bleibt also wenig. „Die schlimmste Erfahrung war, als wir innerhalb einer Woche Bangkog, Manila, Kuala Lumpur und Singapur besuchten. Das mache ich nicht mehr“, seufzt er in der stressigen Erinnerung.

Christian Kurz als Sprecher auf der EuroSummit'15 (Foto beigestellt)
Christian Kurz als Sprecher auf der EuroSummit’15 (Foto beigestellt)

Christian und seine Freizeit
Ich frage Christian, was er in seiner wenigen Freizeit macht und meine: „Sag jetzt nicht fernsehen.“ Christian lacht laut auf. „Es stimmt aber wirklich. Ich hab‘ gelernt, fernzusehen mit fast forward, und doch alles mitzubekommen, was passiert.“

Etwas Freizeit gibt es aber doch. „Hier hat man 10 Tage Urlaub, was sehr wenig ist. Unsere Firma hat fast europäische Standards. Die meisten nehmen aber nicht einmal die 10 Tage, es könnte der Sessel weg sein, auf dem man sitzt. Interessant ist, dass ich bei VIACOM von internationalen Leuten umgeben bin: Head of Finance ist ein Neuseeländer, die Marketingleitung hat ein Südafrikaner, beim Programm ist ein Holländer etc.“

Wenn Christian Kurz mal nicht unterwegs ist, genießt er mit seiner Gattin die Stadt New York. "Die Wochenenden sind sehr angenehm, um die Stadt zu entdecken – und das ist momentan mein Hobby (Foto beigestellt)
Wenn Christian Kurz mal nicht unterwegs ist, genießt er mit seinem Gatten die Stadt New York. „Die Wochenenden sind sehr angenehm, um die Stadt zu entdecken – und das ist momentan mein Hobby (Foto beigestellt)

Für den verheirateten Christian ist NYC wirklich genial für seine Freizeitgestaltung. „Ich habe noch lange nicht alles getan, was ich tun möchte. Die Wochenenden sind sehr angenehm, um die Stadt zu entdecken – und das ist momentan mein Hobby. Einfach durch New York zu gehen, die Stadt ändert sich so schnell. Wir wohnen in Hells Kitchen an der 10. Avenue, da ist es eher ruhig. Städtearchitektur hat mich immer schon interessant, in Wien, Berlin und auch hier.“ Wenn Christian beruflich in Kontinentaleuropa zu tun hat, versucht er, bei seiner Familie ‚vorbei zu schauen‘. Auf meine Frage, ob Österreich jemals wieder eine Option zum Leben für ihn sein könnte, meint er: „Sicher kein eindeutiges Nein, aber vielleicht wird es auch London.“

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